Gestern morgen, ich sitze mit meinem Tee am PC und durchforste das Internet auf der Suche nach dem neuesten Klatsch und Tratsch. Zwischen all den wichtigen und unwichtigen News fällt sofort die Schlagzeile
"Thomas Hitzlsperger bekennt sich zu seiner Homosexualität".
Begierig las ich den Artikel in der Zeit und suchte nach weiteren Beiträgen zu diesem Thema. Denn eben dieses Thema, Homosexualität im Profi-Fußball, ist mir eine Herzensangelegenheit. Der Profi-Fußball, ja dieser Sport allgemein, wird als extrem männlich angesehen. Die Fangemeinde besteht zu einem Großteil aus Männern, der Männerfußball steht in den Medien immer im Vordergrund, aufgrund des Kontakts während des Spiels und der spielerischen Härte gilt dies eben als Männerdomäne. Das dies nicht mehr zutrifft, ist heutzutage gar keine Frage mehr. Denn viele Frauen schauen diese Sportart, es gibt mittlerweile bereits erfolgreichen Frauenfußball, der es auf jeden Fall Wert ist, angeschaut zu werden.
Doch eben aus diesem Grund, dass die Männer diese Sportart für sich beanspruchen, haben viele Fußballer immer wieder die Sorge, sich selbst zu zeigen, wie sie sind. Sie verstellen sich, damit sie in den Medien nicht durch den Kakao gezogen werden und versuchen somit nicht weiter aufzufallen, wenn sie Charakterzüge haben, die gesellschaftstechnisch und vor allem in den Fangemeinden nicht salonfähig zu sein scheinen. Deshalb war das Thema Homosexualität im Fußball lange ein Tabu-Thema. Scheinbar gab es keine schwulen Fußballer oder lesbischen Fußballerinnen, zumindest bekannte sich niemand dazu. Die Situation hat immer wieder nahe gelegt, dass dies aufgrund des Stereotyps nicht möglich sei. Männer sind stark, immer agil, behaupten sich und können die Klappe aufreißen, wenn es nötig wird. Das wird eben Schwulen nicht zugesagt (obwohl es einfach falsch und vor allem weit hergeholt ist). Sie wirken mädchenhaft, können sich nicht behaupten und sind nur auf Männerschau, so die unausgesprochene Meinung. So blieben auch schwule Spieler in der Öffentlichkeit hetero, schafften sich Alibi-Freundinnen an und verkörperten den Macho vom Dienst.
Auch Thomas Hitzlsperger sprach über dieses Thema im deutschen Fußball und bekannte sich gleichzeitig zu seiner Homosexualität. Zwar passierte es, nachdem er seine Fußballkarriere beendete, dennoch war es für ihn ein deutlicher Schritt in eine neue Richtung. Denn er beschrieb, dass der Gegenwind nicht nur von Seiten der Fans bestünde, sondern auch in der Kabine Usus war. Für Schwule sei es so mitunter schwierig, einfach zu seinem Ich zu stehen, obwohl doch gerade im Team der Zusammenhalt anders sein sollte. Er glaube zwar nicht, dass durch das Interview die Sichtweise auf dieses Thema sofort anders ist, aber er hoffe, dass eben auch schwule Spieler sehen, dass man stolz auf sein Ich sein kann.
Ich bin stolz auf Hitzlsperger und hoffe, dass weitere seinem Beispiel folgen und sich dazu bekennen können, wer sie sind. Denn für mich hat Fußball nichts mit Männlichkeit zu tun sondern mit Leistung und spielerischem Können. Und wer weiß, vielleicht wird es bald so sein, dass dieses Thema gar nicht mehr aufgebauscht werden muss, da es zur Normalität geworden ist und einen Bestandteil des gesellschaftlichen Denkens darstellt, so wie es eigentlich sein sollte.
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